Wir sind Gemeinschaft - Ökumenischer Bittgang 2018

Am 08. Mai fand zum 6. Mal in Folge unser ökumenischer Bittgang statt, der gemeinschaftlich von der katholischen und evangelischen Pfarrgemeinde organisiert, gestaltet und begangen wird.

Der Beginn war in der Samariterkirche um 19 Uhr abends und ohne Zweifel lässt sich feststellen, dass unser Pfarrpatron Petrus uns seinen Segen schickte. Denn das Wetter war herrlich und die Stimmung unter den Teilnehmern entsprechend.

Wir hielten wir die erste Statio in der Samariterkirche zum Thema „Witterung“, die Pfarrer Spitzer gestaltet hat. Mitunter las er einen Text vor, der, wie er selbst bemerkte, wenig fromm ist, ihm aber zur Thematik passend in den Sinn kam:

 

„Der Mond verbirgt sein bleiches Licht,
die Sterne am Himmel, sie funkeln nicht.
Die Nacht ist schwül.
Im Herzen wird bang.
Der Uhu krächzt einen Totengesang.

Da bricht's aus schwarzer Nacht hervor,
als wäre geöffnet der Hölle Tor,
als ständen die Säulen des Erdballs in Flammen,
als stürze das ganze Weltall zusammen,
und aus der Wolken feuchtem Schoß,

der Regen in Strömen sich ringsum ergoss,
als wollten des Wassers wilde Gewalten
das Land zum unendlichen Meere gestalten.

Und wie es stürmt und brandet und kracht,
da, eine Jungfrau tritt hinaus in die Nacht
und ruft in die tosenden Winde hinaus:
„Na, das ist ein Dreckwetter, da bleib ich zuhaus!““

 

(Heinz Erhardt – Das Gewitter)

 

Dass als Reaktion erst einmal gelacht wurde, sollte niemanden verwundern. Aber genau diese heitere Atmosphäre ist, was den kompletten Abend ausmachte. Nicht nur während des Bittgangs, sondern auch im Anschluss. Der Weg führte von der Samariterkirche über zwei weitere Statios zum Gut Mariannenhöhe. Bei dem Sonnenschein lief sich der Weg wie von selbst, dennoch gab es, wie in jedem Jahr, für Teilnehmer, die nicht gut zu Fuß sind, die Möglichkeit, sich vom Fahrdienst der evangelischen Kirche von Statio zu Statio chauffieren zu lassen.

Um kurz nach 20 Uhr war das Ziel erreicht und die letzte Statio am Gut Mariannenhöhe wurde gehalten. Hier war das Thema „Gemeinschaft“ und es wurde ein kleines „Bauprojekt“ umgesetzt, bei dem wir mit den Teilnehmern zusammen ein „Haus“ gebaut haben, auf dessen Bausteinen wichtige Begriffe unserer Gemeinschaft stehen.

 

Text zum „Bauprojekt“: Ich glaube

Ich glaube an Gott, den Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist.

Ich glaube an den Menschen, der als Individuum eigen ist in seiner Art. Jeder besonders und einzigartig und unverkennbar wie kein zweiter.

Ich glaube an innere Verbundenheit, die die Menschen zusammenführt und sie sich näher kommen lässt, auch wenn sie noch fremd sind.

Ich glaube an Gefühle, die überall erwachsen, wo Menschen sich verbunden fühlen.

Ich glaube an Vertrauen, ineinander und an sich selbst. Das Gefühl, nie allein und verlassen zu sein, sondern immer aufgefangen zu werden, wenn ich falle.

Ich glaube an die Treue, die die Zeiten übersteht, die Sicherheit gibt, dass da etwas ist, das bleibt.

Ich glaube an Kraft und Mut, die durch die Sicherheit gestärkt werden und ein Antrieb und Ansporn sind, einzustehen und Wege zu gehen.

Ich glaube an Zusammenhalt, der in dem Ansporn wurzelt, gemeinsam Ziele zu erreichen und standhaft um diese zu kämpfen, wenn innere und äußere Stürme walten. Ein Zusammenhalt, der nicht kleinzukriegen ist.

Ich glaube an die Einheit des Zusammenhalts, die keine Unterschiede kennt und nicht trennt, sondern aus allen Eins macht - ein Wir.

Ich glaube an dieses Wir als Leitwort im Denken und Handeln, gemeinsam im Leben, gemeinsam im Glauben. Gemeinsam Gemeinschaft halten.

Ich glaube an Gemeinschaft mit Gott als Fundament und ich glaube an die Liebe, die einigt, was uns trennt.

Gemeinschaft lässt sich auf vielfältige Art auslegen, aber aus aktuellem Anlass war der Schwerpunkt auf eine besondere Gemeinschaft gelegt: die Gemeinschaft der Christen. Seit sechs Jahren begehen wir den Bittgang zusammen, nämlich ökumenisch. In einer Zeit, in der traditionelle Feste und Angebote schwer aufrechtzuerhalten sind, in der die Anzahl der Gottesdienste in unserer Pfarre reduziert wird und Zeit allgemein zu einem seltenen Gut geworden ist, müssen wir neue Wege suchen, uns als Gemeinschaft zu definieren und zusammenzukommen. Denn, und das dürfen wir nicht vergessen, zu glauben, bedeutet besonders Gemeinschaft. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Viele sagen, sie müssen, um zu beten, nicht in die Kirche gehen. So ungewöhnlich das vor allem für ältere Generationen klingen mag, es ist etwas Wahres dran. Den Glauben kann man auch andernorts feiern. Es sind die Menschen, auf die es ankommt – unsere Gemeinde und Gemeinschaft, die wir nur gemeinsam lebendig halten können. Und das beispielsweise ökumenisch, wenn wir zusammen unseren Bittgang begehen und uns dabei vor Augen führen, was uns eint: nämlich der Glaube an den dreifaltigen Gott.

Im Anschluss an den Bittgang hat Familie Velder für alle Teilnehmer auf ihrem Hof einen einladenden Ort zum Zusammenkommen bereitet. Tische, Sitzgelegenheiten und besonders reichliche Verpflegung war vorbereitet. Von selbst gebackenem Brot, über Aufschnitt, Käse und natürlich auch gesunde Leckereien wie Erdbeeren, zu erfrischenden Getränken war alles dabei. So ist es wenig verwunderlich, dass bei beinahe sommerlichem Wetter und einer solch herzlichen Aufnahme am Hof alle gern zum Verweilen blieben, sich austauschten und den Abend betont langsam ausklingen ließen. Ein herzliches Dankeschön an die komplette Familie Velder (von jung bis nicht mehr ganz so jung) an dieser Stelle. Und genauso ein Dank an alle, die sich auf irgendeine Weise beim Bittgang eingebracht haben, ob planerisch oder durch bloße Anwesenheit. Genau dieses fröhliche und begeisterte Feiern unseres Glaubens ist das Wunder, das uns Kraft für den Alltag gibt und das Leben bereichert. In diesem Sinne und mit der Begeisterung im Herzen kann nun Pfingsten kommen.

Zurück